Irrtümer in der Vinyl-Welt

Nicht jeder kann ein Experte in Analogtechnik sein – und das ist völlig in Ordnung. Doch es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich einige Irrtümer in diesem Bereich halten. Mit diesem kurzen Bericht möchte ich dazu beitragen, dass Vinyl-Liebhaber bei bestimmten Themen mehr Klarheit und Sicherheit gewinnen. Dafür habe ich sieben zentrale Aspekte herausgegriffen, bei denen in der Analog-Szene oft Missverständnisse entstehen.

Sieben beliebte Fehler in der Analogszene

1. Trennmittel

Ein weit verbreitetes Missverständnis, das Fachleuten aus Presswerken nur ein müdes Lächeln entlockt: Nein, beim Pressvorgang wird kein Trennmittel verwendet!

2. Schutzfilm

Ein Schutzfilm ist etwas, dem man im Internet immer wieder begegnet. Bei der Herstellung von Schallplatten wird jedoch kein Schutzfilm aufgebracht. Nach dem Kauf einer Schallplatte kann der Einsatz von LAST2 jedoch eine sinnvolle Option für Privatpersonen sein. Diese Behandlung erzielt hervorragende Ergebnisse. Weitere Informationen dazu findest du hier.

3. Die LP hat mehr Dynamik als CD

Schön wäre es! Eine Schallplatte bietet einen Dynamikumfang von bis zu 60 dB, während eine herkömmliche CD fast 100 dB erreicht. Doch der volle Dynamikumfang der Schallplatte kann in der Praxis kaum genutzt werden, da der typische Störspannungsabstand bei nur 40-45 dB liegt.

4. Die Nadel soll möglichst viel Kontakt zur Rillenflanke haben

Das ist weder notwendig noch sinnvoll. Abhängig vom Schliff berührt die Nadel die Rille lediglich an zwei winzigen Punkten – links und rechts, eventuell auch etwas großflächiger. Die Musikinformation wird ausschließlich durch die vertikalen und horizontalen Bewegungen der Nadel ausgelesen, weshalb eine größere Kontaktfläche nicht erforderlich ist.

5. Die Nadel entfernt den Schmutz direkt aus der Rille, sodass eine separate Reinigung überflüssig ist.

Ein bekannter Plattenspieler-Hersteller hat früher genau diesen Punkt betont. Wer sich jedoch schon einmal eine Plattenrille unter dem Mikroskop angesehen hat und später den exakt gleichen Abschnitt nach mehreren Abspielvorgängen (ohne vorherige Reinigung) untersucht, wird von den sichtbaren Veränderungen überrascht sein.

Auch akustisch ist der Unterschied deutlich hörbar: Eine gereinigte LP, sorgfältig mit einer Plattenwaschmaschine behandelt, klingt spürbar besser als eine ungewaschene.

6. Die ersten Exemplare bei der Pressung klingen besser

Das ist zumindest theoretisch teilweise korrekt – allerdings nur in Bezug auf die Störgeräusche, nicht auf den Klang selbst. Dieser bleibt während der gesamten Pressauflage unverändert. Tatsächlich führen die hohen Belastungen während des Pressvorgangs mit der Zeit zu winzigen Abnutzungserscheinungen an der Matrize. Dadurch können die letzten Exemplare einer Auflage geringfügige Mängel aufweisen, während beispielsweise die 50. Platte noch fehlerfrei sein könnte.

Übrigens werden bei einer neuen Pressung oft die ersten LPs aussortiert (abhängig vom Presswerk), bis die Matrizen optimal geformt und ihre Temperatur gleichmäßig eingestellt sind. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass selbst nummerierte Platten (z. B. mit Seriennummern auf dem Cover) keinen direkten Bezug zur Reihenfolge des Pressvorgangs haben. So bedeutet beispielsweise die Nummer 0010 nicht zwangsläufig, dass diese LP die zehnte aus der Pressmaschine ist.

7. Weniger Auflagekraft der Nadel schont die Schallplatte

Ganz im Gegenteil! Jeder Tonabnehmer hat eine empfohlene Auflagekraft, die normalerweise im mittleren Bereich zwischen dem Minimal- und Maximalwert liegt. Wird jedoch der niedrigste Wert gewählt oder gar unterschritten, besteht die Gefahr, dass die Nadel keinen sicheren Kontakt zur Vinyloberfläche hat. Das lässt sich mit einem defekten Stoßdämpfer vergleichen: Wenn der Autoreifen den Kontakt zur Straße verliert und zeitweise darüber „hinwegfliegt“, entsteht ein ähnlicher Effekt bei der Tonabnehmer-Nadel. Das Ergebnis? Eine Beschädigung des Vinyls, wenn die Nadel auftrifft.
Tipp: Ich empfehle, immer den höchsten Wert der empfohlenen Auflagekraft einzustellen.

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