Praktische Hilfe für manuelle Laufwerke

Veröffentlicht am 23. März 2025 um 12:46

Du besitzt ein manuelles Plattenspieler-Laufwerk und kennst das Problem: Die Nadel läuft in die Endrille, doch du hast gerade keine Lust oder Zeit, den Tonarm manuell anzuheben. Wäre da ein automatischer Tonarmlift nicht die perfekte Lösung? Genau das bietet dir ein cleveres Zubehör aus Norwegen: der Little Fwend. Hier ist unser Testbericht.

Little Fwend Tonarm-Anhebung bei Platten-Ende | Test-Bericht im Vinyl-Fan Blog

Im Test: Little Fwend - Tonarm-Anhebung bei Platten-Ende


Heute gibt es eine große Auswahl an vollautomatischen Plattenspielern. Auf Knopfdruck beginnt der Plattenteller zu drehen, der Tonarm fährt automatisch über die Schallplatte, senkt sich ab, und die Musik beginnt zu spielen. Am Ende der Platte hebt sich der Tonarm wieder an und kehrt selbstständig in die Ruheposition zurück.


Eine Alternative dazu sind halbautomatische Plattenspieler. Hier startet der Plattenteller ebenfalls automatisch, aber der Tonarm wird manuell von Hand über die Schallplatte positioniert und mithilfe eines Lifts abgesenkt. Sobald die Wiedergabe beendet ist, hebt sich die Nadel automatisch von der Platte, und der Antriebsmotor schaltet sich ab.

 

Für anspruchsvolle Vinyl-Enthusiasten sind jedoch manuelle Plattenspieler häufig die bevorzugte Wahl. Diese Geräte setzen auf ein reduziertes, puristisches Design mit einem klaren Fokus auf die Qualität der wesentlichen Komponenten wie Chassis, Tonarm und Antriebsmotor. Auf zusätzliche Mechaniken, wie die automatische Bewegung des Tonarms, wird bewusst verzichtet – zugunsten eines besseren Klangs. Dieser Verzicht bedeutet allerdings auch weniger Komfort. Genau hier kommt eine clevere skandinavische Lösung ins Spiel: der Little Fwend.

Design und Funktionsweise des Little Fwend


Little Fwend

Er sieht einfach großartig aus – mit seinem eleganten und zeitlosen Design wird der „Kleine Freund“ auf jedem Plattenspieler zum Hingucker (Fwend – eine kreative Abwandlung des Wortes Friend, die zugleich optimal für Suchmaschinen geeignet ist, wie die norwegischen Erfinder clever erkannt haben). Optisch erinnert er an einen mobilen Tonarmlift – und genau das ist er auch. Doch das Besondere ist die geniale Feinmechanik, die in ihm steckt: Sobald der Tonarm die filigrane Antenne berührt, hebt sich wie von Zauberhand die kleine Bank (Tonarmauflage) und hebt den Tonarm sanft an.

 

Man kann nur erahnen, wie viel Zeit und Präzision die Entwickler investiert haben, um das perfekte Zusammenspiel aus Federkraft, Hub, Dämpfung, Reibung und minimalem Widerstand gegenüber dem Tonarm zu erzielen – und dabei die empfindliche Aufhängung der Plattennadel nicht zu beeinträchtigen.

Warum ist der Little Fwend eigentlich notwendig?


Viele Vinyl-Liebhaber, die diesen Beitrag lesen, werden sich vermutlich dieselbe Frage stellen: Brauche ich den Little Fwend überhaupt? Wie bereits erwähnt, ist dieses Zubehör ausschließlich für manuelle Plattenspieler ohne automatische Endabschaltung konzipiert. Für diejenigen, die nach dem Ende der Platte – sobald sich die Nadel in die Auslaufrille bewegt – direkt aufspringen, um die Platte umzudrehen oder vom Plattenteller zu nehmen, ist der Little Fwend wahrscheinlich überflüssig.

Doch es gibt auch viele Schallplattenfreunde (darunter der Autor dieses Textes), bei denen die Nadel oft noch eine ganze Weile in der Endrille mitläuft, bevor der Tonarm manuell angehoben wird. Das bekannte „Plop-plop-plop“ kann dann minutenlang zu hören sein. Warum? Vielleicht ist man gerade anderweitig beschäftigt oder – wie in meinem Fall – möchte ich beispielsweise noch eine Rezension fertigstellen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den man nicht außer Acht lassen sollte, ist die Schonung der Plattennadel. Besonders hochwertige, teure Nadeln unterliegen einem natürlichen Verschleiß – und die Endrille trägt ebenfalls dazu bei. Mit dem Little Fwend lässt sich dieser Verschleiß effektiv reduzieren.

Test des Little Fwend


Little Fwend auf Pro-Ject Plattenspieler

Schon das Auspacken der kleinen Stülpschachtel ist ein Erlebnis für sich. Auf der Rückseite befindet sich ein Aufkleber mit Seriennummer und Stempel der Prüfung und Verpacken des Little Fwend - alles andere als üblich für ein Zubehörteil. 

Auf den ersten Blick erscheint der Little Fwend kleiner, als man vielleicht erwartet – doch zugleich beeindruckt er sofort mit seiner hochwertigen Verarbeitung. Der Korpus besteht aus vernickeltem Messing, während die Antenne, die als Sensor für die Auslösung dient, aus robustem, deutschem Hartstahl gefertigt ist.

Die Montage des Little Fwend erfordert zwar ein gewisses handwerkliches Geschick, ist aber keineswegs kompliziert. Ich habe den Aufbau in wenigen Minuten erledigt. Besonders hilfreich ist das ausgezeichnete Video des Herstellers, das den Prozess Schritt für Schritt erklärt. Zudem stellt der deutsche Exklusiv-Vertrieb bFly-Audio eine übersichtliche PDF-Anleitung auf seiner Website zur Verfügung, die ebenfalls sehr empfehlenswert ist.


Zuerst wird die Höheneinstellung vorgenommen, indem der Fwend auf den Plattenspieler gesetzt wird. Anschließend löst man die kleine Schraube im unteren Bereich (Basis) und justiert den oberen Teil mit der Bank (Tonarmauflage) und der Antenne (Auslösestab/Sensor). Ziel ist es, die Unterkante des Tonarms etwa 1 mm über der Bank schweben zu lassen, wenn die Nadel auf der Schallplatte abgesenkt ist.

Dabei wird die Bank nach unten gedrückt – dies entspricht der Position während des Abspielens der Platte. Berührt der Tonarm (während des normalen Abspielens der LP) die empfindliche Antenne, hebt sich die Bank sanft an und der Tonarm wird hochgehoben.


Nach der erfolgreichen Höheneinstellung folgt die präzise Positionierung des Fwend auf dem Plattenspieler. Hier empfehle ich, einen Blick in die Anleitung von bFly-Audio zu werfen, da diese die Vorgehensweise klarer und detaillierter erklärt, als ich es hier in Worte fassen könnte.


Ein besonders interessantes Detail: Auf der Unterseite der Basis des Fwend ist ein Magnet integriert. Befestigt man die beiliegende Metall-Scheibe mit ihrer Klebefläche auf dem Plattenspieler, lässt sich der Fwend problemlos darauf positionieren und sogar bequem drehen. Gleichzeitig bleibt er durch den Magneten sicher an Ort und Stelle - perfekt für den täglichen Gebrauch.

 

Das Ergebnis ist beeindruckend. Gebannt verfolgt man, wie die Nadel in die Endrille der Schallplatte gleitet, und dann passiert es: Der Fwend hebt den Tonarm sanft an, und die Nadel wird behutsam aus der Rille gehoben. Dieser Vorgang ist nicht nur schonend für die Nadel, sondern auch faszinierend mitanzusehen - einfach genial, wie ich finde.

 

Ein kleiner Tipp für den Alltag: Achte darauf, die Bank vor dem Abspielen herunterzudrücken. Andernfalls könnte der Tonarm dagegenstoßen, sobald er in diesen Bereich gelangt.


Ich habe zwei Modelle getestet: den Low auf einem Pro-Ject und den High auf meiner La Nouvelle Platine Verdier. Ja, richtig gelesen – die Verdier! Zwar war die Höhe des Little Fwend High eigentlich nicht ausreichend, doch für den Test habe ich mir mit den Transporthalterungen beholfen. Darauf habe ich den High platziert, und es hat funktioniert. Natürlich lässt sich das eleganter lösen, indem man ein passendes Unterteil besorgt oder anfertigen lässt.


Beim Pro-Ject Debut RecordMaster war der Platz zwischen Plattenteller und Tonarmbasis ziemlich knapp, aber es hat gerade so funktioniert.

 

Mein Tipp für die richtige Auswahl eines Fwend-Modells: Schaut auf der Website des Herstellers nach, welches Modell zu eurem Plattenspieler passt. Dort gibt es eine hervorragende Übersicht von A-Z mit verschiedenen Plattenspieler-Herstellern und deren Modellen (https://www.littlefwend.com/compatible-turntables).

Meine Verdier war leider nicht aufgeführt, weshalb ich auf die provisorische Lösung mit dem Unterbau zurückgreifen musste.


Wichtige Anmerkung:

Aufgrund des Gewichts muss man bei Subchassis-Spielern aufpassen und entsprechend das Chassis neu einstellen. Bei Masselaufwerken oder einfacheren Plattenspieler mit festem Chassis ist das Gewicht bei der Montage kein Problem.


Technische Daten - Little Fwend / High


Material der Basis: Vernickeltes Messing

• Oberes Material: Vernickeltes Messing, rostfreier Stahl

• Gummi-Material: Neopren 70 Shore

• Magnet: Neodym N35

• Stellschraube: Stahl Sechskant M2 x 3mm

• Dämpfungsgel: Fluorkohlenstoff

• Höhenbereich: 48-81mm

• Gewicht: 68g

• Durchmesser der Basis: 19mm

• Werkzeugsatz: 0,9mm Inbusschlüssel, magnetische Befestigungsscheiben und ein nicht klebendes 3M-Montagepad



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